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3. Nov 2013: Wie Sunrise dem chinesischen Geheimdienst zuliefert

3. November 2013

Seit Edward Snowden über die Machenschaften des amerikanischen Geheimdienstes auspackt, frage ich mich des Öfteren, was seine wahre Motivation ist. Warum fing er ausgerechnet auf chinesischem Territorium (Hong Kong) an, auszupacken? Warum veröffentlichte er scheibchenweise Informationen und tut es bis heute noch? Und zwar immer kommerziell wohl dosiert.

Ich bin nicht ans Schreibpult gegangen, um weitere Spekulationen und Mutmassungen zu verbreiten, sondern, um ein paar Fakten wiederzugeben. Dies scheint mir deshalb nötig, weil im Moment zu unüberlegt und zu emotional, mit dem Finger auf die Amerikaner gezeigt wird. Die Sichtweise der Amerikaner wird in der Schweizer Presse kaum aufgenommen. Und wenn, dann nur am Rande. So berichtete zum Beispiel die NZZ am Sonntag über Max Fishers Blog. Max Fisher arbeitet als Kommentator der „Washington Post“ und hat sich die Mühe gemacht, in einem Blog, die Sichtweise der Amerikaner darzustelleen. Der Titel seines Blogs lautet: „Why America spies on its allies (and probably should)“ und kann von jedem eingelesen werden, wer die Spionage der Amerikaner besser verstehen lernen möchte.

Doch zurück in die Schweiz. Zurück zur allgemeinen Empörung in unserem Lande. Fakt ist, dass jeder jeden ausspioniert. Und dies bis zu dem Grad, zu dem es seine vorhandenen technischen Möglichkeiten zulassen. Wenn das jeder anerkennen würde, wäre die Empörung nicht so enorm. Um den ehemaligen französischen Aussenminister (Herr Bernard Kouchner) zu zitieren:

Jeder hört jeden ab. Wir auch, seien wir ehrlich. Aber wir haben nicht die gleichen Instrumente wie die Amerikaner, und das macht uns neidisch.

Auch die Sendung Rundschau vom 30. Oktober 2013 war mit dem Beitrag „Lauschangriff auf Schweizer Boden“, meines Erachtens eher mit dem Ziel erstellt worden, weitere Empörung in der Schweiz gegen die Amerikaner zu schüren, als dass die Sendung in der Vogelperspektive Realitäten reflektierte. Wie es der Franzose Herr Bernard Kouchner in einem französischen Radiointerview tat, wonach er sagte, dass die Empörung der Europäer vor allem mit der Dominanz der Amerikaner zu tun habe, weniger mit moralischen Empfindlichkeiten.

Die Rundschau mit dem Beitrag „Lauschangriff auf Schweizer Boden“ zielte denn auch konsequent und ausschliesslich auf die USA, basierend auf Informationen, welche von Edward Snowden stammen. Just von einem Amerikaner, dessen Motivation wir nicht vollends kennen. So sagte in der Sendung u.a. Herr Ueli Leuenberger (Nationalrat Grüne / GE / Mitglied der Geschäftsprüfungsdelegation, welche den Schweizer Geheimdienst beaufsichtigt):

Wir müssen bei der Uno intervenieren

Und die Schweiz müsse sich endlich wehren gegen die Amerikaner. Das sei ein Fall für die Bundesanwaltschaft. Er fordert auch eine Kommission, welche die Anlagen und Instrumente in der amerikanischen Uno-Mission in Genf überprüft und allenfalls deren künftigen Betrieb verbietet. Das verlangte auch Herr Roland Borer (Nationalrat SVP / SO), insbesondere solle man abklären, ob es sich hierbei um ein „Offizialdelikt“ handelt.

Auf das neue Schweizer Nachrichtendienstgesetz angesprochen, welches dem Schweizer Geheimdienst mehr Kompetenzen bei Überwachungen gibt, meinte Herr Nationalrat U. Leuenberger:

Es geht darum Schweizer-Bürger zu schützen, indem man nicht alle möglichen Leute überwacht, abhört und aushorcht. Es geht darum, Kriminelle in der Schweiz zu bekämpfen. Für den Rest der Bevölkerung ist keine Aufrüstung geplant. Wir hätten diesbezüglich eh keine Chance gegenüber den Amerikanern, gegenüber den Russen, gegenüber den Chinesen, gegenüber Mossad, gegenüber den Iranern zum Beispiel.“

Darauf wurde wieder Herr Nationalrat Borer eingeblendet und er sagte:

Abwehren kann man nie Alle. Es wäre fast unmöglich und es würde die Mittel eines einzelnen Staates sowieso sprengen, immer und überall Gegenmassnahmen ergreifen zu können. Aber man kann sicher unsere bestehende Kommunikationskanäle sicherer machen… Wenn man das will und wenn man endlich auch in der Politik halt die Augen gegenüber den Realitäten öffnet.

Als ich das hörte, dachte ich unweigerlich und immer wieder an Sunrise, welche ihr gesamtes Netz an Huawei, (eine chinesische Firma, welche dem chinesichen Militär, der chinesischen Regierung und dem chinesichen Geheimdienst sehr nahe steht) ausgegliedert hat. Huawei wird seit mehreren Monaten der Spionage verdächdigt. In meinem Presse-Archiv kann man diverse Artikel zu diesem Thema nachlesen. Der Artikel der heutigen NZZ am Sonntag (3. November 2013) vom Journalisten Lukas Häuptli zeigt auf, wie China die Schweiz ausspionieren kann. De facto kann der chinesische Geheimdienst jeden Datentransfer, jedes Telefongespräch, jede Interaktion aller Sunrise-Kunden ausspionieren. Zu den Sunrise-Kunden gehören bekanntlich ja nicht nur Privatpersonen aus Politik und Wirtschaft. Nein, es kommen namhafte Institutionen, Behörden und Firmen in der Schweiz dazu, welche sich gemäss „NZZ am Sonntag“ ebenfalls in die Sunrise-Kundenliste einreihen:

  • Der europäische Sitz der Vereinten Nationen (Uno) in Genf
  • Das europäische Kernforschungszentrum „Cern“ in Meyrin, Kanton Genf
  • Der Kanton Genf
  • Der Kanton Zürich
  • Der Zürcher Flughafen
  • Die Berner Kantonalbank
  • Seit 1. März 2014 auch Tamedia
  • Ab 2015 PostFinance (Nachtrag vom August 2014)

Alleine mit dieser Liste hat der chinesische Geheimdienst die Verkehrsader, die Forschung, die Politik und die Finanzindustrie der Schweiz abgedeckt. (Seit 1. März 2014 also auch „Media“, wie hier nachzulesen war). Abhörbar. Verwundbar. Der Spionage offen. Ein IT-Spezialist, welcher in der NZZ am Sonntag nicht namentlich genannt werden will, sagt:

Die jüngste Geschichte der elektronischen Überwachung zeigt: Was technisch machbar ist, wird tatsächlich auch gemacht.

Vor wenigen Tagen sagte Ueli Maurer, (Schweizer Bundesrat):

Es scheint alles möglich zu sein. Und wenn alles möglich ist, muss man davon ausgehen, dass auch alles gemacht wird.

Aber: Sowohl die Rundschau, wie auch der Bundesrat bezogen sich auf die USA. Nicht auf China. Dass aber ein Unternehmen wie Huawei bereits die oberste Gewalt über die Netze von Sunrise hat, und damit alles ungefiltert aus ersten Quelle abzapfen kann, scheint uns nicht mal eine Stellungnahme vom Bundesrat wert.

  • Immerhin hat die neue australische Regierung diese Woche (29. Oktober 2013) bestätigt, dass Huawei in Australien nach wie vor verbannt bleibt, wie auf Reuters hier nachgelesen werden kann
  • Die amerikanische Regierung hatte bereits im Spätsommer 2012 Huawei aus den USA verbannt und hält bis heute daran fest: Youtube-Video
  • Andere Regierungen (Indien, Kanada, UK…) beobachten Huawei und prüfen kontinuierlich, welche Geschäfte die einheimischen Firmen mit Huawei machen dürfen, und welche nicht
  • Rechtsanwalt Martin Steiger hat zu diesem Thema bereits im Juli 2012 einen informativen Blog geschrieben und weist auf die Möglichkeit von Spionage hin

Wir empören uns derzeit aber derart über die USA, dass wir dazu tendieren auszublenden, dass uns jeden Tag die Chinesen hinter unserem Rücken ausspionieren können, was über das Sunrise-Netz, bzw. über das Huawei-Netz läuft. Und im Fall von Huawei scheinen wir uns mit deren Nachricht zufriedenzustellen, dass diese uns „versichert“ nichts mit Spionage zu tun zu haben. Obwohl man weiss, dass die erste Lektion des Spionagedienstes lautet, bewusst Desinformationen zu legen, niemals etwas zuzugeben, solange man es nicht beweisen kann und stattdessen in die Irre zu führen.

Trotzdem wartet die Schweizer Polititk lieber, bis man die Beweise auf dem Tisch liegen hat, dass Huawei sehr wohl für China spionierte, ja, im Auftrag der chinesischen Regierung spionieren musste. Wenn die Schweiz aber wartet bis die Beweise auf dem Tisch sind, dann werden bereits sehr viele Informationen an den chinesischen Geheimdienst geflossen sein. Eventuell mehr als uns lieb ist. Eventuell ist es dann zu spät, um Huawei aus dem Schweizer Markt zu verbannen, weil bis dann eventuell jede Leitung schon verwanzt wurde. Nicht von den Amis, denen wir nicht mehr trauen mögen, von den Chinesen, nota bene.

Wir Schweizer gehen mit Huawei Risiken ein, welche die Amis niemals eingehen, obwohl die Amis diese Risiken und Anschuldigungen der Spionage auch nicht beweisen können. Aber die Amis wissen, dass Spionage nicht ausgeschlossen werden kann, dass sie eben möglich ist und alleine deswegen eine reale Gefahr darstellt.

Immerhin: In einem Punkt scheinen sich die USA und der Schweizer Bundesrat Ueli Maurer einig zu sein, wie wir seit wenigen Tagen wissen, als Bundesrat Ueli Maurer sagte:

Es scheint alles möglich zu sein. Und wenn alles möglich ist, muss man davon ausgehen, dass auch alles gemacht wird.

Bloss die Konsequenzen aus dieser Erkenntnis scheinen zwischen den USA und der CH auseinanderzudriften. Ich hoffe nicht, dass dies aus europäischem Neid und Missgunst geschieht, wie der frühere französische Aussenminister Bernard Kouchner sagte. Denn ich glaube Herrn Ueli Maurer, wenn er sagt, dass der Bundesrat nicht emotional handle, sondern zuerst analysiere, bevor er handle. Ich frage mich bloss, ob er auch alles Relevante, sprich die Spionagegefahr mit Huawei und Sunrise ausreichend oder überhaupt analysiert.

Wenn ich könnte, ohne dabei entdeckt zu werden, würde ich den Bundesrat diesbezüglich aushorchen?

Ich bin Schweizer. Ich will das Beste für die Schweiz. Und Huawei?

From → Archiv

9 Kommentare
  1. F. Grassmeyer permalink

    25. März 2014: Nun ist es offiziell: Nicht nur die Chinesen, sondern auch die Amerikaner haben Zugang zum Sunrise-Netzwerk. Nachzulesen in der aktuellen Ausgabe „The New York Times“:

    http://www.nytimes.com/2014/03/23/world/asia/nsa-breached-chinese-servers-seen-as-spy-peril.html

    (…) But the plans went further: to exploit Huawei’s technology so that when the company sold equipment to other countries (wie zum Beispiel die Schweiz mit dem Sunrise-Netwerk, welches zu 100% von Huawei bewirtschaftet wird) — including both allies and nations that avoid buying American products — the N.S.A. could roam through their computer and telephone networks to conduct surveillance and, if ordered by the president, offensive cyberoperations. (…)

    Die Kunden von Sunrise müssen wissen, dass ihre Informationen nicht nur den Chinesen zugänglich sind, sondern nun offensichtlich auch den Amerikanern. Diese Kunden sind also, wie oben bereits aufgelistet wird: die Verkehrsader der Schweiz (Züricher Flughafen), die Forschung der Schweiz (CERN), die Politik (UN Genf), die Finanzindustrie (die Berner KB) und die Tamedia, also eine wichtige (wenn nicht die wichtigste) Pressestelle der Schweiz.

    All diese Daten sind offen für „Cyberoperations“, wenn der amerikanische Präsident dies bloss befehligen sollte.

    Zur Hacker-Attacke der N.S.A. gegen Huawei berichtete auch der Spiegel diese Woche: http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/nsa-us-geheimdienst-spaehte-chinas-netzwerkkonzern-huawei-aus-a-960176.html

    Wie Ueli Maurer schon sagte:

    Es scheint alles möglich zu sein. Und wenn alles möglich ist, muss man davon ausgehen, dass auch alles gemacht wird.

    Die Schweizer-Bevölkerung ist sich dem nicht wirklich bewusst oder reagiert gleichgültig. Mein Eindruck. Somit wird die Schweiz zum lukrativen Spionageziel (Aufwand und Ertrag; cost-value-ratio könnten besser nicht sein).

  2. Dr. Groggi permalink

    29. Januar 2014: Hi, bist nicht alleine mit den Bedenken zur Auslagerung des Netzes an Huawei. Heute las ich im Tagi, dass auch renommierte Sicherheits-Experten nur noch den Kopf schütteln, ab diesem deal. Wie auch im Blog beschrieben wird, ist es auch für den Experten ein Rätsel, dass der Bund alles (scheint völlig naiv!) bewilligt.

    Hier der Artikel: http://www.tagesanzeiger.ch/digital/daten/Alle-bespitzeln-alle/story/28731244

    Vermag unsere Schweizer Regierung tatsächlich die Gefahren nicht zu erkennen?

    Es ist schon sehr stossend und extrem widersprüchlich, wenn selbst die Bundesräte sagen; „Was technisch abgehört werden kann, wird wohl auch abgehört“, dann aber mir nichts, dir nichts, die ganze Obhut des Sunrise-Netzes an Huawei abnicken, obwohl bekannt ist, dass Huawei der chinesischen Regierung, Militär und Geheimdienst sehr nahe steht und gar der Spionage verdächtigt wird.

  3. Franziskus permalink

    6. Dezember 2013: Vor 10 Tagen hat die Bundesanwaltschaft der Schweizerischen Eidgenossenschaft ein Verfahren gegen Unbekannt betr. Spionage eröffnet…aus Konsequenz der NSA Affäre.

    Unbekannt?
    Spätestens nach der Huwawei-Spionage Affäre in den Staaten sollte hier klar sein, gegen wen sich die Ermittlungen richten sollten, einbezüglich aller Geschäftspartner der betrf. chinesischen Firma, welche ihren Rechtssitz in der Schweiz innehaben.

    • 6. Dezember 2013: Um juristisch gegen den Spion vorgehen zu können, braucht es Beweise. Genau darin liegt die Herausforderung, zumal Spione gerissen, raffiniert und clever sein müssen, um nicht entdeckt zu werden, sprich, um eben diese Beweise nie lieferbar zu machen.

      Dem chinesichen Geheimdienst wurde es aber, mit dem Huawei-Sunrise-Deal, sehr einfach gemacht, um in der Schweiz zu spionieren. So einfach, wie es nach heutigem Stand nur in der Schweiz möglich ist.

      So einfach, dass es gleichermassen genial, wie erschreckend ist.

      Und so lange der Fokus und die Empörung bei den USA und der NSA bleibt, ist das natürlich ganz im Interesse des chinesischen Geheimdienstes.

  4. irgendeiner permalink

    7. November 2013: Wie man seit Snowden weiss, hat die NSA in mehreren Telekommunikationsprodukten amerikanischer Hersteller Backdoors für den vereinfachten Zugang eingebaut. Es wäre in der Tat lächerlich anzunehmen, dass dies bei chinesischen Produkten anders sei.

    Vor diesem Problem stehen alle westeuropäischen Länder und es müsste der Schweiz möglich sein, z.B. mit skandinavischen Ländern eine Allianz zu bilden, welche diese Produkte zuverlässig untersucht.

    Wenn man aber sieht, welche extremen Überwachungsmöglichkeiten (inklusive Bundestrojaner) die Schweiz im neuen Nachrichten-Dienst-Gesetz NDG vorsieht und wie positiv die Vernehmlassungen mehrheitlich waren, so muss man mit Schrecken erkennen, dass auch in der Schweiz die persönliche Freiheit rein gar nichts mehr wert ist.

  5. jojimen permalink

    Arbeitet Swisscom nicht auch mit Huawei als NW-Partner?

    • 4. November 2013: An jojimen: Doch das tut oder tat Swisscom. Wie Du hier nachlesen kannst (NZZ am Sonntag vom 17. Februar 2013) lieferte Huawei Netzkomponenten an Swisscom. Der Unterschied zwischen Swisscom und Sunrise besteht darin, dass das gesamte Netz von Sunrise in den Händen der Chinesen liegt, inkl. deren Bewirtschaftung. Und das tut es jeden einzelnen Tag… Aber das weisst Du ja alles bereits.

  6. Felix permalink

    3. November 2013: Interessante Sichtweise, Danke für diese Ausführungen.

    Mich irritiert, dass hier unterstellt wird, Snowden veröffentliche stückweise Dokumente. Wenn ich die Hergänge richtig erfasse, hat Snowden die Dokumente übergeben. Über die Veröffentlichung bzw. deren Zeitpunkte entscheidet nicht weiter Snowden. Dass die Medien versuchen, Profit aus den Dokumenten zu schlagen, versteht sich von selbst. Snowden mag durchaus neben den veröffentlichten Motiven auch weitere, nicht bekannte haben. Dennoch halte ich eine These, welche eine bewusste Steuerung oder Kommerzialisierung der Veröffentlichung durch Snowden kolportiert, für ziemlichen Unfug.

    Die Reaktionen aus der Schweiz sind in der bisher erfolgten Art natürlich sinnlos und dumm. Wenn unser eigener Nachrichtendienst weder weiss, dass abgehört wird noch wer, wie und in welchem Umfang dies geschieht, dann soll man diesen Nachrichtendienst ersatzlos einstampfen. Wenn hingegen die Politik nicht weiss, was der NDB oder der MND konkret machen oder über welches Wissen sie verfügen, dann ist das peinlich und ein hausgemachtes Problem. Als dritte Möglichkeit käme in Frage, dass zwar alle genau wissen, was vor sich geht, aber dennoch so tun, als wäre man überrascht und schockiert.

    Interessant ist in jedem Fall genau die Frage, die hier aufgeworfen wird: Was konkret macht denn nun die CH? UNO-Resolutionen fordern und dabei viel Lärm und warme Luft produzieren (wer hält sich schon an UNO-Resolutionen)? Oder doch bei der Technik ansetzen und z.B. die TelCo-Firmen überwachen? Sage mir niemand, anhand der Datenströme in den grossen Knoten wäre nicht schon lange ablesbar, was hier läuft. Vorausgesetzt natürlich, man sieht hin – und man lässt die Öffentlichkeit teilhaben an dem, was man sieht. Wir warten also auf den Snowden der Schweiz. Doch vermutlich würde man den hier noch schneller köpfen, als die USA dies mit Snowden gerne tun würden.

    • 4. November 2013: An Felix: ich respektiere auch Deine Sichtweise bezüglich Edward Snowden. Ich verstehe gut, wenn man mit Edward Snowden sympathisiert. Allerdings liegt mir fern, Edward Snowden etwas zu „unterstellen“, was nicht schon andere, … namentlich „Experten“ über ihn sagen. Konkret ist dies die Einschätzung des Geheimdienstexperten Erich Schmidt-Eenboom, welcher selber vom Bundesnachrichtendienst ausspioniert wurde. Seine Aussage kannst Du Dir selber anhören auf dem Video-Podcast der Rundschau vom 30. Oktober 2013. Ab Minute 23:01. Wie Du siehst, ist es nicht nur für den Geheimdienstexperten, sondern auch für mich, kein „Unfug“ zu sagen, dass Herr Snowden sein Wissen scheibchenweise kommerziell verwertet.

      Aber alleine die Tatsache, dass wir über sein Handeln streiten und uns uneinig sind, beweist umsomehr, dass wir die wahre Motivation von Edward Snowden nicht kennen. Trotzdem basiert unsere Empörung und unsere Anschuldigungen gegen die USA auf eben diese Einzelperson Edward Snowden. Wir enervieren uns derart ab den USA, sind derart emotionell (und das ist der Punkt, den ich im Blog zu machen versuche), dass wir kein Wort darüber verlieren, dass China gar nicht mehr mit den klassischen Methoden zu spionieren braucht, da die Chinesen den direkten Zugang zu den Netzwerken von Sunrise (via Huawei) ja bereits hat. Und dafür bezahlt Sunrise Huawei auch noch Geld. Bzw. die Sunrise-Kunden zahlen letztendlich dafür.

      Im Gegensatz zu den Anschuldigungen gegen die USA, welche auf eine Person basieren, deren Motivation wir nicht vollends kennen, ist meine Aussage bezüglich Huawei, dass diese das Netz von Sunrise bewirtschaften und den ersten Finger drauf haben, nichts als Fakt. Und wenn sogar der Bundesrat Ueli Maurer sagt:

      Es scheint alles möglich zu sein. Und wenn alles möglich ist, muss man davon ausgehen, dass auch alles gemacht wird.

      …dies zwar auf die USA bezogen sagte, dann erlaube ich mir, diese Aussage auch auf die Chinesen, bzw. auf Huawei und auf Sunrise anzuwenden. Aber wir (die offizielle Schweiz) reagieren nicht darauf. Bei den Chinesen scheinen wir in eine beispiellose Lethargie zu verfallen. Das ist der Punkt, den ich im Blog mache. Das ist der Punkt, den ich als Schweizer nicht verstehe. Andere Regierungen verbannen Huawei. Andere beziehen Stellung. Andere prüfen und geben Richtlinien oder Einschränkungen raus. Aber die Scheiz lässt Huawei frei gewähren. Wenn eine Anfrage gemacht wird, heisst es: „keine Bedenken“. Siehe auch NZZ am Sonntag vom 17. Februar 2013 mit dem Titel „Telekom-Lieferung weckt Sicherheitsbedenken“ (leider nur bei Sicherheitsexperten, nicht bei den entsprechenden Bundesstellen)

      Das löst bei mir „Bedenken“ aus.

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